Dem Münster auf’s Dach gestiegen – Perspektivenwechsel

Am 14. September um 17 Uhr war es soweit: 20 Gemein- deglieder der Christuskirche starteten zu einer beeindru- ckenden Führung durch und übers Münster. Nach interes- santen Ausführungen von Herrn Furmaniak, ehrenamtli- chem Münsterführer, über den Westturm, der auf dem Längsschiff aufgesetzt ist und nicht davor, ging's die Treppe hinauf zum südlichen Chorturm - bei jeder Trep- penwindung mit wechselnden Perspektiven auf das Mün- ster oder die Stadt. Die Chortürme, im Mittelalter zu- nächst nur 32 Meter hoch, erhielten erst im 19. Jahrhun- dert ihre heutige Höhe. Der anschließende Gang übers südliche Seitenschiff entlang der Dachbrüstung mit reich schmückendem Beiwerk ermöglichte besondere Perspek- tiven auf die Türme. Gut zu sehen waren auch die Was- serspeier außerhalb der Brüstung, als Tiere und Fabelwe- sen gestaltet, die das Regenwasser vom Dach aufnehmen und "hinausspeien" - eine ungewohnte Perspektive. Im Innern des Chorturms besuchten wir die Modellkammer für Gipsabgüsse von Figuren - Mustervorlagen für be- schädigte und daher zu ersetzende Außenfiguren. Ein Raum über dem Chorgewölbe in ca. 40 Metern Höhe birgt Reste einer früheren Orgel: in Holz gefasste Fialen, Maßwerke und Figuren von zum Teil unbekannten Künstlern. Ein Blick aus dieser Kammer hinunter in die Kir- chenschiffe lässt einen die gotische Idee des himmelwärts Strebenden intensiv nachempfinden - eine ganz besonde- re Perspektive. Über einen brückenähnlichen Holzsteg gelangten wir zu einer Steinmetzwerkstatt über dem Hauptschiffgewölbe, die uns vermittelte, wie früher (und teilweise auch heute) in der Münsterbauhütte gearbeitet wurde. Nach dieser zweistündigen fachkundigen Führung, angereichert durch zeitgeschichtliche und persönliche Wertungen von Herrn Furmaniak, endete die Führung und klang in einem gemütlichen Lokal in der Herrenkellergas- se in kleinerer Runde aus. MD